Mario Herger

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Woche -16: Anzeigenakquise

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GastonWenn Zeitungen nur von den Verkaufserlösen leben müssten, dann gäb's fast keine Zeitung in Österreich. Oder nur welche, für die pro Exemplar 20 Euro gezahlt werden müssen. Wie wichtig deshalb Anzeigen sind zeigen all die Gratiszeitungen, die sich rein aus Werbung finanzieren können. Es wird nicht überraschen, dass auch das Überleben und Gedeihen des Satiremagazins Rappelkopf von Werbung abhängen wird. Bezahlte Anzeigen müssen rein, auch wenn die Leser darüber jammern werden.

Wie aber kommt man zu Anzeigen? Das ist wirklich ein Knochenjob und muss gut vorbereitet werden. Je mehr man über die eigene Leserschaft weiss, desto leichter wird es, die richtigen Werbekunden zu finden und zu überzeugen, dass sie darin nicht nur werben sollen, sondern müssen und dafür gut und gerne den festgesetzten Tarif bezahlen.

Die Eckdaten selbst zu Rappelkopf weiß ich so ungefähr. 64 Inhalts- und 4 Umschlagseiten (64+4), Papierqualität, Auflage von 10.000 Stück, vielleicht sogar doppelt soviel und und … und dann wird's dünn. Wir sind ja noch nicht erschienen, wissen also nicht, wieviele Stück wir verkaufen und wer uns kauft. Sind das 1.576 Stück oder 73.522? Kaufen uns vorwiegend SMSende Schulmädchen im Alter zwischen 12 und 14 oder stehen mosernde Ministerialräte vor den Trafiken Schlange?

Mit anderen Worten: wir stochern im Nebel.

Zeitschriften die aus dem Nebel heraußen sind, wie beispielsweise das Monatsmagazin Datum, veröffentlichen sogenannte Mediadaten. Darin wird in kurzem Abriss über die Zeitschrift, die Vertriebskanäle, den Verkaufspreis, die verkauften Stück aber auch über die Leserschaft geschrieben. Und zum Schluss werden die Preise und Formate für die Anzeigen gelistet. Abhängig von diesen Daten und zu erwartenden Streuverlusten (eine Baggerwerbung hat in einem Lifestylemagazin wohl nicht den richtigen Leserkreis und somit einen sehr hohen Streuverlust, als vergleichsweise in einem Magazin für die Bauwirtschaft).

Deshalb bieten Pressevertriebe wie Morawa Verkaufshochrechnungen und andere Services an, die einem bei der Abschätzung helfen sollen. Kommende Woche am Mittwoch werde dazu viele dumme Fragen bei einem Termin mit einem Morawa-Vertriebsmitarbeiter stellen.

Sobald wir all diese Daten und Abschätzungen haben, können wir uns zur Anzeigenakquise aufmachen. Und da beginnen die Herausforderungen erst. Denn das ist ein Job, für den nur wenige Leute geeignet sind. Man darf sich nicht zu schade sein, "Klinken zu putzen", möglichen Werbekunden nachzulaufen, und nachzuhaken wo es geht. Mit Leuten zu tun zu haben und einen "saufen gehen", die man privat lieber nicht kennen wollte. Aber gerade dabei ergeben sich oft die wirklichen Gelegenheiten die Chancen auf einen Vertragsabschluss erst ermöglichen. Kein Wunder, dass ein hoher Prozentsatz der Vertragssumme als Kommission an den Anzeigenakquisiteur geht. Aber ein guter Anzeigenakquisiteur finanziert sich ohnehin selbst und sorgt dafür, dass es in der Kassa klingelt.

Und eigentlich sind Anzeigenakquisiteure, wie auch Verkäufer Psychiater. Sie versuchen nicht nur sich in die Lage des Kunden reinzuversetzen, sondern ihnen dabei auch zu helfen und das Gefühl zu vermitteln, dass sie erfolgreich sind und das Richtige tun.  Versetzen wir uns in die Lage eines Werbers, der auf einem Budgettopf sitzt und herausfinden muss, wie er das Werbebudget möglichst effizient verbrauchen kann. Und wenn der Werber mehrere gleichwertige Alternativen hat, welche ist die coolere, welche lässt ihn oder sie besser aussehen? Welches Medium wird beim Namedropping eher fallen gelassen - weil hohen Status vermittelnd? Auf diesen Sorgen und Ängsten weiss ein guter Anzeigenakquisiteur geschickt zu spielen. Als Gründer und Chefredakteur muss ich dafür sorgen, dass Rappelkopf diesen hohen Status kriegt, als cool, trendig, meinungsbildend-  kurzum: als echt leiwand und superaffentittengeiles Werbemedium angesehen wird.

Dabei brüte ich gerade an einer Idee herum, die sich um den Kern der "Werbung, die einem Satiremagazin würdig ist" dreht. Was damit gemeint ist, werden ältere Semester und Comicfans sofort verstehen. Der niederländische Elektrokonzern Philips hat in den 60er Jahren die Fernsehsketchreihe Der Untermieter mit Alfred Böhm und Otto Schenk als Werbung gedreht, genauso wie Franquin, der Zeichner des Kultcomics Gaston einige Comicstrips mit Gaston als Werbung für Philipps-Batterien oder Ochsenberger Orangenlimo gemacht hat. Ich stelle mir genauso vor, dass die Rappelkopfzeichner herangezogen werden, um satirisch/humoristisch die Werbeseiten unserer Anzeigenkunden gestalten. Das wäre nicht nur satiremagazinwürdig, sondern erfrischend und würde auch von den Lesern goutiert werden.

Denke ich halt, aber ob die Werbkunden da mitspielen werden? Ich werde sie überzeugen müssen.

Für mich sind in den nächsten Tagen das Finden eines erfahrenen und eifrigen Anzeigenakquisiteurs wichtig, und auch selber dabei Hand anzulegen und potentielle Werbekunden zu sprechen. Deshalb treffe ich mich mit Bekannten, die mir vielleicht Kontakte nennen können. Zwei bezahlte Werbeseiten muss ich, mindestens die doppelte Anzahl will ich haben. Und wenn ich 10 habe, dann erhöhe ich die Anzahl der Inhaltsseiten und mach 84+4 Seiten und verringere den Verkaufspreis für das Einzelheft. Also, wem da draußen das nicht wert ist, entweder Werbung in Rappelkopf zu schalten oder uns helfen will Anzeigen hereinzubringen, der darf uns wenigstens dabei helfen, den Nebel zu lichten. Würden Sie Rappelkopf kaufen? Und wenn ja, wer sind Sie? Ein lieb schauendes, aber hinterfotziges Schulmädchen? Ein Knallfrösche werfender Rotzbub? Oder doch eher ein Abschaum der Menschheit: Investmentbanker?

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Kommentare (4)Add Comment
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Keilereien...
geschrieben von Marco, Juni 25, 2009
Ich glaube, es braucht hierfür nicht nur einen guten, engagierten Verkäufer, sondern auch eine Person, die in gewisser Weise über die bisherigen Grenzen des klassischen Anzeigenverkaufs hinaus denkt und die selbst eine gewisse Kreativität mitbringt. Also jemand, der z.B. - wenn er merkt, dass es mit dem Verkauf einer klassischen Inseratenstrecke bei einem Unternehmen nicht klappt - vor Ort kreativere Möglichkeiten vorschlägt und mit dem potentiellen Inserenten gemeinsam weiterdenkt.

Ich persönlich habe die Möglichkeit des "Product Placement" in Comics immer spannend gefunden. Aber in einem solchen Magazin gibt es viele, viele weitere innovative Möglichkeiten...
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Tja
geschrieben von Nina, Juni 25, 2009
Ich weiß nicht, was ich dabei immer falsch gemacht habe, aber prinzipiell hatte ich solche Ideen auch. Nur vielleicht nicht so finanzmathematisch ausgetüftelt und auskennerisch formuliert. Auf der wirtschaftlich-statistischen Seite, wohlgemerkt. Aber scheitern tut's dann immer an dem Gegenüber, das ein Vorstellungsvermögen hat wie ein von der Hitze versengter Ziegelstein. Oder noch darunter.
Da erklärt man so ein großartiges Konzept, und die Leute (die's eigentlich wissen sollten, also nicht der Buchhalter der Firma, sondern der, der für die visuellen Belange der Werbung zuständig ist) schaut einen nur an und fragt dann höchstens "Und wann kommt der Film in die Kinos?" oder "Und wie viel kosten die Tomaten?" (das ist jetzt überspitzt formuliert, um zu verdeutlichen, dass ich genausogut Chinesisch reden könnte, es kommt einfach nichts am anderen Ende an!).
Kurz und gut: Rechne damit, dass du den Leuten sagst, es handle sich um Product Placement in einem Comic, und dass sie darunter verstehen, dein Heft werde mit einer Hochglanz-Werbekampagne à la "Familie Putz vom Lutz" nebst Plakat- und Fernsehwerbung ausgestattet. Oder dass du ihnen einen Kilo Brandteigkrapfen schickst. Es ist ganz egal.
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...
geschrieben von Mario, Juni 25, 2009
@Marco: ich stimme zu, der Akquisiteur muss diese Kreativität mitbringen.
@Nina: bei dem Polizei-Comic gibt's auch solch Product Placement. Da sind immer irgndwo in den Bildern die Logos der sponsornden Firmen reinphotogeshoppt. Interessantes Konzept, aber ich denke, besser klappt das, wenn diese Dinge mit der Geschichte verwoben sind und gezeichnet werden.

Aber dazu gäb's viele Ideen. Ich hoffe, wir werden viele Gelegenheiten haben, das auszuprobieren.
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Tolle Artikel
geschrieben von Martin, Juni 29, 2009
Ich stimme auch zu .. und finde ich wirklich sehr interssant dass es so läuft .

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 24. Juni 2009 um 23:00  

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Bravo an Herrn Mario Herger! Ganz tolle Arbeit die sich jahrelang mueh...
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