Wärest Du bereit, ein Jahr früher zu sterben, wenn man Dir eine Million Euro geben würde? In Deutschland antwortete dazu jeder Fünfte befragte mit ja. Ein Jahr gegen eine Million schaut doch nicht so schlecht aus, wenn man bedenkt, dass die US Flugaufsichtsbehörde den Wert eines Menschenlebens momentan mit $6 Millionen (umgerechnet €4,2 Millionen) berechnet, und das amerikanische Umweltministerium mit €6,4 Millionen.
Erinnern Sie sich an die chilenischen Bergleute, die einige Wochen unter Erde verschüttet waren und doch gerettet werden konnten? Die Kosten der Rettungsaktion (noch ohne Kosten für gesundheitliche Folgeschäden) lagen bei ca. €14,2 Millionen, also umgelegt etwa €430.000 pro Bergmann. Damit hat sich die Rettungsaktion rentiert.
Wen hier der Ekel erregt, wie man denn ein menschliches Leben gegen einen Betrag aufrechnen kann, soll sich beruhigen und nüchtern Zahlen wälzen und verstehen, warum das Sinn macht. Versicherungen und Behörden berechnen seit langem was ein menschliches Leben Wert ist. Was wäre, wenn ein 25-jähriger tot umfällt? Wieviel Wirtschaftsleistung entginge der Allgemeinheit? Von seinem Beitrag zu Steuern, Kaufkraft, unbezahlter Arbeit für die Gemeinschaft aber auch Kinder, die er noch nicht hatte und haben hätte können und die in Zukunft ebenso wie er beigetragen hätte. Was fehlt an Wirtschaftskraft, wenn eine 40-jährige Mutter und Managerin bei einem Flugzeugabsturz stirbt? Und viel wichtiger, wieviel Schadenersatz ist dann von den Fluggesellschaften zu zahlen?
Diese Werte helfen Regulierungsbehörden Sicherheitsbestimmungen durchzusetzen. Klar will jeder absolute Sicherheit, die gibt es aber nicht mal gegen unendlich viel Geld. Wenn aber eine Maßnahme (sagen wir der flächendeckende Einbau von Autosicherheitsgurten) €100 Millionen kostet und damit pro Jahr 100 Menschenleben gerettet werden können und jedes mit €5 Millionen bewertet wird, dann steht am Ende die Allgemeinheit besser da.
Über die Jahre ändern sich die Bewertungen, und die verschiedene Behörden und Institutionen schwanken in ihren Annahmen. Die US Konsumentenschutzbehörde hat den Wert seit 1995 unverändert gelassen und somit reduziert (berücksichtigt man Inflation und Produktivitätssteigerungen seit damals), während das Umweltministerium den Wert von €2,3 Millionen im Jahr 1985 auf mittlerweile €6,4 Millionen verdoppelt hat. Generell bewerten die Amerikaner Menschenleben um den drei- bis vierfachen Wert höher, als in Europa. Das hat zu einer erhöhten und von den Europäern belächelten Übervorsicht in vielen Belangen des täglichen Lebens in den USA geführt.
Diese Bewertung des menschlichen Lebens trägt aber letztendlich dazu bei, dass der Einzelne vom Staat und der Gesellschaft viel mehr geschützt wird und mehr zählt, als in Ländern, die dem keine Bedeutung zumessen. Bestes Beispiel: Russland, in dem nicht nur die durchschnittliche Lebenserwartung um 20 Jahre niedriger ist als in den westlichen Ländern, sondern Staat und Gesellschaft rücksichtslos mit den einzelnen Bürgern umgehen. Das kapitalistische Bewerten eines Individuums in Geld hat zu mehr Menschenrechten geführt, als in Ländern, in denen das wurscht ist.
Dass sich der Wert des Lebens ändert kann man auch daran erkennen, dass sich die zu Anfang des Artikels befragten Umfrageteilnehmer eher die Million nehmen wollten, je jünger sie waren. Älteren Befragten war eine Mille zu wenig.
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