Hier sind ein paar Tipps und Tricks, wie man mit sogenannten "Hecklern" (frei übersetzt "Zwischenrufer") während einer Vorstellung umgehen kann.
Das Wichtigste ist nicht die Ruhe zu verlieren. Manchmal ist einem Zwischenrufer einfach nicht bewusst, dass er stört. In vielen Fällen aber schon. Als Kabarettist muss man sich einfach erinnern, dass normalerweise das Publikum auf der Seite des Kabarettisten ist. Es kam und bezahlte, den Kabarettisten zu sehen, und nicht den Störenfried.
Diese Hintergründe geben einem Kabarettisten die Voraussetzungen, die man mit einem Heckler umgehen kann oder sollte. Zuerst mal: der Kabarettist soll nicht ausrasten. Das Beste ist mit einer kleinen Bemerkung zu antworten. Jay Leno z.B. verwendet immer wieder den Satz "Entschuldigen Sie, aber wir konnten uns nicht für alle Mikrofone leisten."
Hilft das nicht und stört der Heckler weiterhin, so verschärfe man den Ton. "Beachten Sie ihn nicht, der ist mir schon vom Bahnhof aus gefolgt." Oder wenn der Störenfried neben seiner Frau sitzt, dann wende man sich an diese. "Sind Sie wirklich mit dem Kerl verheiratet?", "Was war denn ein Grund, den Typen zu heiraten? Sein Dampfgeplaudere?"Mit einem Heckler umgehen ist stark gruppendynamisch. Den Störenfried zu kontern macht nur Sinn, wenn ihn das Publikum auch gehört hat, ansonsten versuche man ihn bestmöglich zu ignorieren.
Der jüdische Kabarettist Karl Farkas, der zu Anfangd er Nazizeit als Blitzdichter in diversen Wiener Kabaretts auftratwurde auch verbal angegriffen: Ein Gast rief Farkas ein Wort zu und Farkas gestaltet als Blitzdichter daraus spontan ein Gedicht.
Eines Abends rief Farkas ein Zuschauer entgegen: „Judenbengel!“
Farkas war dadurch nicht aus der Fassung zu bringen. Er nahm eine Rose aus der Vase eines Tisches in der ersten Sitzreihe und sagte in die Stille des Saales:
„Das ist die Rose,
hier ist der Stengel.
Da steht der Jud,
dort sitzt der Bengel!“
Wenn jemand einen Ausruf tätigt, dann kann man diese Person immer als "persönlichen Assistenten" bezeichnen. Wenn jemand eine Telefongespräch fúhrt, dann einfach zu der Person hingehen, hinunterbeugen und dem Gespräch lauschen. Der emsige Telefonierer versteht dann meistens sofort die Botschaft.
Gerold Rudle hat in seinem Programm "Alles wird gut!" auf das Läuten eines Handys im Publikum geantwortet:
„Da läutet ein Handy. Dein Kind hat sich angeschissen. Wo ist die Windel?’“
Manchmal allerdings kann ein Zwischrufer sogar für die Vorstellung von Gewinn sein. Auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem weg von San Diego und Hawaii rief eine ältere Dame während einer Vorstellung dem Kabarettisten zu: "Fahren Sie eigentlich bis nach Hawaii mit uns?" Der Kabarettist wandte seinen Kopf langsam zu den Fenstern, wo so weit das Auge blickte, nur Meer war. Dann antwortete er: "Lieber Gott, ich hoffe es inständig." Die Dame, die sofort die Dummheit ihrer Frage erkannt hatte, hatte die Hände vor die Augen geschlagen und war zutiefst beschämt. Deshalb kam der Kabarettist am Ende der Vorstellung während des Applauses zu ihr, umarmte sie und liess ihr auch Applaus zukommen.
Und dann gibt es die Zuspätkommer, die Minuten nach Vorstellungsbeginn sich durch die Sitzreihen drängen. Nicht nur der Kabarettist auch das Publikum ist davon genervt. Hier sind ein paar Sätze, wie österreichische Kabarettisten damit umgingen:
"Grüß sie. Bist du die Vorhut? Oder die Nachhut?"
Roland Düringer - Benzinbrüder
"Kann Parkplatz g’funden? Oder geglaubt, es geht erst um 8 Uhr los?"
Roland Düringer - Benzinbrüder
"Wann i a Zug war, war i weg."
Roland Düringer - Benzinbrüder
"Ich bin auch rechtzeitig da gewesen, und ich komme aus Persien."
Michael Niavarani - Niavarani’s Kühlschrank
Hier sind ein paar Ratschläge, wie man mit einem Zwischenrufer umgeht:
- Seien sie sich des Umfeldes bewusst: in Comedy Clubs und Kabarettlokalen ist es notwendig, einen Zwischenrufer mit allen Mitteln ruhig zu stellen. Macht man aber Kabarett auf einer Firmenveranstaltung, dann könnte der Zwischenrufer der Firmenchef sein. Und denn sollte man unter keinen Umständen angreifen, sondern sanft auf die Schaufel nehmen.
- Antworten sie nur auf einen Zwischenrufer, wenn sie sich sicher sind, dass ihn das Publikum auch gehört hat.
- Üben Sie Druck auf den Zwischenrufer aus, indem sie statt ihn eine Person aus seinem Freundeskreis adressieren. Beispielsweise die bereits erwähnte Ehefrau.
- Versuchen sie nicht, spontan witzig zu sein. Schauen sie lieber, ob es nicht ein Detail am Zwischrufer gibt, das sich als Antwort verwertbar ist. Wenn er ein oranges Hemd tragen sollte, antworten sie einfach: "Ich kann nichts darauf sagen, weil mich ihr oranges Hemd so blendet."
- Nicht die Ruhe verlieren. Es ist sehr schwer, wieder zur Vorstellung zurück zu kommen, wenn man selbst ausgerastet ist. Vor allem: eine Attacke nicht persönlich nehmen
- Zeigen sie keine Angst. Angst ist für Störenfriede ein Ansporn.
- Vorsicht sei angeraten mit weiblichen Zwischenrufern. Es existiert eine gewisse Heuchlerei. Das Publikum muss nämlich wirklich äusserst genervt vom weiblichen Störenfried sein, bevor man sie lächerlich machen kann.
- Vereinbaren sie ein Codewort. Wenn ein Störenfried partout nicht aufhören will, stellen sie sicher, dass vor der Vorstellung mit dem Veranstalter ein Codewort vereinbart wurde, sodass er weiss, dass er den Störenfried raushauen muss.
- Wenn das alles scheitert, dann einfach die Veranstaltung stoppen, den Veranstalter auf den Störenfried hinweisen und erst dann weitermachen, wenn derjenige draussen ist. Wenn das auch nichts hilft, dann verbeugen und abgehen.










