Mario Herger

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Home Texts Satiremagazinblog Woche -20: Was kommt in die Zeitschrift rein?

Woche -20: Was kommt in die Zeitschrift rein?

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Arthur de PinsDie ersten Plaudereien mit Leuten mit echtem Interesse an der österreichischen Satirezeitschrift haben mir gezeigt, dass sich diese nicht nur darauf freuen, sondern auch relativ konkrete Wünsche und Vorstellungen bezüglich der Qualität und der Inhalte haben. Das finde ich spannend. Nicht nur kriege ich eine Rückmeldung die sagt "Eine Satirezeitschrift wäre leiwand", sondern "Eine Satirezeitschrift wäre leiwand und ich weiß auch, wie sie sein sollte." Was besseres kann einem spinnerten Satirezeitschriftjungunternehmer nicht passieren. Ich muss nicht erst lang und breit erklären, was das ist, sondern lasse es mir erklären. Und da sehe ich ganz klare Gemeinsamkeiten im Strom der Plaudereien. Und dieselben Personen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die ersten leidenschaftlichen Leser des Magazins.

Deshalb möchte ich ein bisserl über die von mir geplanten Inhalte für Rappelkopf.at sprechen - und damit die Vorfreude anheizen. In meinen Vorbereitungsarbeiten habe ich eine ganze Palette an nach wie vor erscheinenden und verblichenen Satirezeitschriften und Comicmagazinen abonniert oder beispielsweise über ebay ersteigert. Diese Fülle an Magazinen aus USA, Frankreich, England, Deutschland, Schweiz und Österreich geben einen ganz guten Überblick über Inhalte und Gestaltungselemente, und somit Ideen, was mir gefällt und meinen Lesern gefallen könnte.

Abonniert habe ich The Onion (USA), Funny Times (USA), Humor Times (USA), Santa Cruz Comic News (USA), Casemate (FR), dBD (FR), L'echo des savanes (FR), Fluide Glacial (FR). Gelegentlich erstehe ich Viz (ENG), MAD (USA), Titanic (DE), Eulenspiegel (DE), Nebelspalter (CH), Charlie Hebdo (FR), Le Canard Enchainé (FR). Und ersteigert, am Flohmarkt gekauft oder sonstwie erworbene Heftln sind Bodoï (FR), Kaputt (DE), Die Sprechblase (DE), Comicforum (Ö), Slapstick (DE), Panic (DE), Stupid (DE), Kowalski (DE), Transantlantik (DE), Tunte (DE), Meggendorfer's humoristische Blätter (DE).

Nicht alles in diesen Heften gefällt mir, manches ist Trash, aber manches ist sehr gut. Rappelkopf soll nun die besten Elemente aus diesen Heften übernehmen und einige neue. Der wiederkehrende Tenor war: die Qualität der Inhalte soll hoch sein. Gute Satire, witzig, bissig, mit Niveau. Da stimme ich zu und das hat auch schon erste Auswirkungen. Die Anzahl meiner Beiträge wird gering gehalten werden.

Es sind drei grössere Bereiche geplant, in denen die genannten Elemente vorkommen: Inland, Ausland und Vermischtes.

Die Aufteilung der Inhalte stelle ich mir folgendermaßen vor: mindestens 50% der Inhalte sollen graphischer Natur sein, also Cartoons, Comicstrips und Comics. Der Rest Texte. Die Einzelteile sollen sich dabei abwechseln, ein Text wird durch passende Cartoons und Comicstrips aufgelockert, ein Text im Regelfall nicht mehr als 2 Seiten umfassen. Comics sollen in den regulären Ausgaben nicht mehr als 4 Seiten umspannen. Allen Inhalten gemein ist, dass sie satirisch oder humoristisch sein sollen. Konkret meine ich damit, dass als Comic beispielsweise eher ein Gaston als ein Prinz Eisenherz drin sein wird. (Anmerkung: keiner dieser wird drin sein, weil die zwar gut aber auch schon relativ alt sind und die Aufmerksamkeit neueren Materialien gelten soll).

Die Textbeiträge sollen einer gewissen formalistischen Strenge folgen. Keine (ich bezeichne sie mal als) "selbstverliebte Nörgeleien" der Satiriker, sondern Texte die unter folgende Kategorien fallen und gegebenenfalls namentlich nicht gezeichnet sind oder eine Kunstfigur als vorgeblichen Autor haben:
  • Faux News: kürzere und längere Texte im Nachrichtenstil, die wahre und humoristisch übertriebene und/oder erfundene Fakten behandeln (begleitende Elemente sind ebenso frei erfundene Infographiken). Diese Faux News sind in den US-amerikanischen Satirezeitschriften äusserst beliebt
  • Erfundene Dialoge zwischen Personen des öffentlichen Lebens (analog den Texten, die beispielsweise Rainer Nikowitz im Nachrichtenmagazin profil zur Kunstform erhoben hat)
  • Aphorismen
  • Passantenkommentare: erfundene Passanten geben erfundene aber bissige Antworten auf aktuelle Fragen (à la "Was denken die Österreicher?")
  • Fiktive Interviews
  • Gastkommentare und Kommentare: fiktive oder manchmal auch echte Personen aus verschiedensten Gesellschaftsschichten und interessanten Vorlieben schreiben einen Kommentar (beispielsweise der etwas schleimige und biedere Herr, der schreibt "Ich grapsche am liebsten in der Straßenbahn")
  • Ratgeber zu Etikette, Beziehungen und anderen Themen
  • Buch- & Medienrezensionen der anderen Art, die auch von regulären, fiktiven Kommentatoren zu aktuellen Erscheinungen gemacht werden
  • Fiktive Kleinanzeigen: Hochzeit, Nachruf, Stille Helden, Akademisches, Geburten, Immobilien,…
  • Verrückte Nachrichten: echte Nachrichten aus aller Welt, die man fast nicht glauben möchte (à la News of the Weird)
  • Echte Statistiken (à la Harper's Index)
  • Zeitlinien (à la Kurze illustrierte Geschichte Wiens)
  • Sonstiges Verqueres (z.B. Websites mit durchgeknallten Inhalten, lustige Trends weltweit…)
Um diese formalistische Strenge zu erreichen, liegen bereits von mir verfasste Richtlinien vor, die den Autoren helfen, die Texte entsprechend aufzuarbeiten. Nun mag das merkwürdig klingen, dass man für Satire Richtlinien benötigt. Tatsächlich beeinflussen nicht nur das Thema, sondern vor allem die Einhaltung bestimmter Regeln die Qualität humoristischer Texte. Genau wie man bei Nachrichten einem gewissen Formalismus folgt, ist das bei Satire unbedingt nötig. Und man darf nicht unterschätzen, dass auch für einen satirischen Text recherchiert werden muss, um glaubhaft und vor allem humoristisch wirksam zu sein. Ein Beispiel allgemeiner Richtlinien (aber noch nicht von beitragsspezifischen) kann im Humor 1x1 auf Rappelkopf.at gefunden werden.
Der Themenplan zu jedem Heft wird mehr oder weniger streng das Format des jeweilig erwarteten Beitrages vorgeben. Wenn also eine Faux News zum Bundeskanzler gefordert ist, dann darf das nicht eine persönliche Betrachtung des Autoren sein.

Zu den graphischen Inhalten habe ich ganz konkrete Vorstellungen, was drin sein muss. Ich zähle mal einige der aus dem Ausland kommenden (und selbstverständlich ins Deutsche übersetzte) Beiträge auf:
Neben harmlosen Humor und bissiger Satire ist auch ein bisserl Sex erwünscht. Sex sells, warum nicht auch bei einer Satirezeitschrift? Bei graphischen Beiträgen aus dem deutschsprachigen Raum wird es mit Sicherheit wiederkehrende Elemente geben (z.B. ein Comicstrip der in jedem Heft vorkommt), und Stammzeichner. Dabei stelle ich mir auch eine Rappelkopf-Figur vor, die vielleicht in einem eigenen Comicstrip lebt, oder - wie es Gaston tut - auf jeder Seite im Seitenrahmen vorkommt und durch Gesichtsausdruck oder einem Kommentar seine Meinung zum Inhalt kundtut.
Ich will auch hinweisen, dass für Rappelkopf Fotos nur spärlich eingesetzt werden sollen (vor allem nur als Porträtfotos bei Kommentaren), aber keine Fotoromane und dergl. drin sein werden.

Die Qualität der Beiträge wird neben der bereits erwähnten Einhaltung einer formalistischen Strenge und eines wünschenswert guten Humors auch durch Anforderungen an die Zeichenqualität sein. Nicht so sehr ein "Krixelstil" wird gewünscht oder eine reine Schwarzweißzeichnung, sondern ein künstlerisch anspruchsvollerer und/oder "sauberer" Strich und wenn möglich in Farbe. Ausnahmen werden aber erlaubt sein, sofern andere Kriterien zutreffen.

Wie ich bei der Pilotnummer gelernt habe, darf bei der Sicherstellung der Qualität überhaupt kein Kompromiss eingegangen werden. Auch wenn das heißt, einen der Autoren oder Zeichner vor den Kopf zu stoßen. Letztendlich trägt der Chefredakteur (also ich) die Verantwortung und der Geschäftsführer (also auch ich) das wirtschaftliche Risiko. Und der will die eingangs erwähnten Personen mit echtem Interesse nicht enttäuschen, sondern das Heft wirklich zu einem begehrten Sammelobjekt machen.
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Kommentare (2)Add Comment
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...
geschrieben von This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it , Juni 03, 2009
Ich vermisse in deiner Auflistung der möglichen Textbeiträge Reime
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Kommt auch...
geschrieben von Mario, Juni 03, 2009
...aber nur relativ wenig. Gemeinsam mit Aphorismen kommen vielleicht 1-2 Gedichte.

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Last Updated on Sunday, 31 May 2009 10:23  

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Kommentare

Satiremagazinblog - Das 1. Jahr Rappelkopf
Ich stehe auf bissigen Humor
Satiremagazinblog - Das 1. Jahr Rappelkopf
Bravo an Herrn Mario Herger! Ganz tolle Arbeit die sich jahrelang mueh...
Interessen
ich versuchte volkstanz musik zu "download" und finde ein Blog, ha ha